Andri Silberschmidt: Vom Gymi-Abbrecher zum Gastro-Unternehmer
Mit 15 Jahren bricht Andri Silberschmidt das Gymnasium ab. Latein bereitet ihm zunehmend Mühe. «Die Noten wurden immer schlechter», sagt er und ergänzt: «Ich hatte immer weniger Freude an der Schule.» So sucht er noch während des laufenden Schuljahrs eine Lehrstelle und unterschreibt für eine Banklehre bei der Zürcher Kantonalbank. Der Wechsel von der Schulbank in das Berufsleben ist kein ausgearbeiteter Lebensplan, soll aber zur Weichenstellung werden. Mit fünfzehneinhalb steht Silberschmidt am Bankschalter vor Kundinnen und Kunden. Er zahlt Geld aus, berät bei der Bestellung von Kreditkarten oder wechselt Fremdwährungen. «In einer Lehre lernt man sehr früh das echte Leben kennen», sagt er rückblickend. Aktien, Obligationen oder die Altersvorsorge sind plötzlich keine abstrakten Begriffe mehr, sondern haben mit dem Leben der Menschen zu tun.
Eine Chance ausserhalb des Plans
Gegen Ende der Lehre entdeckt Silberschmidt eine Stelle als Assistent im Fondsmanagement. Gesucht wird eigentlich jemand mit Hochschulabschluss. Er bewirbt sich trotzdem – und erhält die Möglichkeit, direkt ins Asset Management einzusteigen. «Ich bin bis heute dankbar, dass man mir als Lehrabgänger diese Chance gegeben hat.» Dort lernt er die Welt der Anlagen kennen. Nach wenigen Jahren trägt er Verantwortung für eigene Fonds der ZKB. Parallel studiert er berufsbegleitend Betriebsökonomie und schliesst später einen Master in Global Finance ab. Dabei folgt sein Bildungsweg keiner vorgezeichneten Laufbahn. Vielmehr wächst er mit den Aufgaben.
Vom Ferienfund zum erfolgreichen Gastro-Unternehmen
So entsteht auch kaisin. 2017 isst Silberschmidt mit Freunden in Bangkok einen Sushi-Burrito und notiert sich, ein solches Lokal in Zürich zu eröffnen. Das Vorhaben wandert auf seiner Aufgabenliste zunächst Woche für Woche nach hinten. Bis er sich an einen einfachen Grundsatz hält: «Man muss das To-do entweder erledigen oder löschen.» Er entscheidet sich fürs Erledigen. Mit Freunden entwickelt er das Konzept. Die einen bringen gastronomisches Wissen mit, andere Erfahrung in Marketing. Silberschmidt kümmert sich um die Finanzen. Alle arbeiten zunächst weiter und bauen kaisin. über den Mittag, nach Feierabend und an den Wochenenden auf. «Ideen haben viele Menschen. Am Anfang braucht es aber vor allem Leute, die anpacken.» In einem Pop-up an der Zürcher Europaallee testet das Team die Idee. Das unmittelbare Echo hilft, das Angebot weiterzuentwickeln. «Wenn man ein Produkt direkt an die Kundinnen und Kunden bringt, erhält man sehr schnell eine Rückmeldung – und muss ebenso schnell darauf reagieren.» Als sich zeigt, dass Sushi-Burritos aufwendig herzustellen und umständlich zu essen sind, rücken deshalb Bowls ins Zentrum. Aus dem Versuch wird ein erstes festes Lokal, danach kommen weitere Standorte hinzu.
Mit jedem Betrieb wächst die Verantwortung: für Mitarbeitende, Löhne, Investitionen und die tägliche Qualität. Heute zählt kaisin. 13 Standorte und über 150 Mitarbeitende.
Verantwortung als roter Faden
Die Stationen mögen wie Sprünge wirken. Tatsächlich verbindet sie ein roter Faden: Am Bankschalter ist Silberschmidt als Jugendlicher für konkrete Anliegen verantwortlich. Im Fondsmanagement erhält er früh Verantwortung für grosse Vermögen. Als Unternehmer trägt er sie für mehr als 150 Mitarbeitende und einen wachsenden Betrieb. Nun will Silberschmidt Verantwortung für den Kanton Zürich übernehmen. Seine Laufbahn zeigt, wie er dabei vorgeht: Er wartet nicht, bis jeder Schritt abgesichert ist. Er packt an, lernt in der Praxis und trägt die Folgen seiner Entscheide. Was mit dem mutigen Abschied vom Gymnasium begann, zieht sich bis heute durch seinen Weg: Verantwortung nicht nur zu fordern, sondern sie selbst zu übernehmen.
Andri im Wahlkampf unterstützten und jetzt Teil seines Komitees werden: Link